Feuchtigkeitsprobleme im Haus werden oft unterschätzt, während die Folgen groß sein können. Sehen Sie Schimmel, riechen Sie einen muffigen Geruch oder löst sich die Tapete? Dann ist das Problem meist schon monatelang vorhanden. In den Niederlanden kommt Feuchtigkeit in Wohnungen häufig vor; laut Zahlen des CBS und TNO betrifft es einen erheblichen Teil der Häuser, von Kondensation bis aufsteigender Feuchtigkeit und Fundament-Schäden. „Menschen greifen erst ein, wenn es schon zu spät ist“, sagt Jay Buis, Experte bei Qlimatix Group. „Dabei sind sie sich oft nicht bewusst, was die tatsächlichen zugrundeliegenden Ursachen sind.“
Weniger heizen vergrößert die Chance auf Schimmel
Energiesparendes Verhalten durch steigende Energiepreise spielt eine wichtige Rolle bei der Zunahme von Schimmel im Haus. „Menschen stellen den Thermostat niedriger und heizen Räume wie Schlafzimmer und Badezimmer weniger“, erklärt Buis. „Wo dies für den Geldbeutel und das Klimat vernünftig erscheint, vergrößert es gleichzeitig das Risiko für Schimmel.“
Es ist wichtig, Räume im Haus weiterhin gut zu heizen. Sobald warme Luft abkühlt, entsteht Kondenswasser. Warme Luft kann nämlich mehr Feuchtigkeit halten als kalte Luft. Dieses Kondenswasser kann anschließend Feuchtigkeitsflecken und letztlich Schimmel verursachen. Besonders an kalten Außenwänden und in Ecken sehen Sie dieses Phänomen auftreten, auch Kältebrücken- und Eckkondens genannt.
Täglich entstehen Liter Feuchtigkeit im Haus
Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass in Wohnungen täglich Liter Feuchtigkeit durch schlichtes ‚Leben‘ entstehen. Ein durchschnittlicher Haushalt produziert pro Tag etwa zehn bis fünfzehn Liter Wasserdampf durch Kochen, Duschen, Waschen, Atmen und beispielsweise durch Pflanzen im Haus.
Auch das Trocknen von Wäsche in Innenräumen spielt hier eine größere Rolle, als viele denken. Dies kann nämlich zwei bis vier Liter zusätzliche Feuchtigkeit an die Luft abgeben. Ohne Lüftung, besonders in kleinen Räumen, können dadurch schnell Schimmelflecken entstehen.
Ohne Lüftung kann Feuchtigkeit nirgendwo hin
Gelüftet wird zudem oft zu wenig. Verständlich: Wer sparsam heizt, möchte die aufgebaute Wärme nicht verlieren. Dennoch ist Lüftung essenziell, um zu verhindern, dass sich Feuchtigkeit im Haus ansammelt. Ohne ausreichende Lüftung bleibt die gesamte Feuchtigkeit, die in Innenräumen entsteht, in der Wohnung hängen. Das vergrößert das Risiko für Kondensation und letztlich Schimmel.
Sorgen Sie daher für einen konstanten Luftstrom: Lassen Sie Lüftungsroste offen, öffnen Sie regelmäßig ein Fenster und lassen Sie mechanische Lüftung an, auch wenn dies Energie kostet. Die Energie, die Sie damit verlieren, wiegt oft nicht gegen den Schaden auf, den die Feuchtigkeit verursachen kann.
Feuchtigkeitsprobleme beginnen oft klein, können sich aber schnell verschlimmern. Ohne Eingreifen kann dies zu sichtbarem Schimmel, angegriffenen Holzarbeiten und Dämmung, die ihre Wirkung verliert, anwachsen. „Langfristige Feuchtigkeit beeinträchtigt nicht nur den Wohnkomfort, sondern auch das Gebäude“, sagt Buis. „Im schlimmsten Fall entsteht struktureller Schaden, der kostspielig zu reparieren ist.“
Erhöhtes Risiko für Asthma und Atemwegsbeschwerden
Feuchtigkeit im Haus ist nicht nur ein Problem für das Gebäude, sondern auch für die Gesundheit. Schimmel kann Asthma und Allergien verschlimmern und zu Beschwerden wie Husten und Atemnot führen.
„Das gilt nicht nur für Menschen mit bestehenden Beschwerden“, sagt Buis. „Auch bei Menschen ohne bestehende Beschwerden sehen wir Husten, Atemnot und häufiger wiederkehrende Erkältungen bei langfristig hoher Luftfeuchtigkeit.“
Vorbeugen ist besser als Beseitigen
Ein gesundes Raumklima beginnt mit der richtigen Luftfeuchtigkeit. Ein gesundes Raumklima hat eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Unter 40 Prozent wird die Luft zu trocken, mit Beschwerden wie trockenen Augen, gereizten Atemwegen und statischer Elektrizität. Über 60 Prozent bekommen Schimmel und Hausstaubmilben freie Hand.
Pro Raum unterscheidet sich der ideale Luftfeuchtigkeitsprozentsatz. So darf es im Badezimmer zeitweise auf bis zu 70 Prozent während des Duschens ansteigen, vorausgesetzt es sinkt danach schnell durch gute Lüftung wieder. Im Schlafzimmer ist ein stabiler Wert von 45 bis 50 Prozent angenehm und im Wohnzimmer liegen Sie mit etwa 50 Prozent gut.
Letztendlich geht es bei der Schimmelprävention darum, die Ursache anzugehen und für ein gesundes Raumklima zu sorgen. Strukturelle Probleme wie Undichtigkeiten oder aufsteigende Feuchtigkeit müssen immer an der Quelle behoben werden. Ein Luftentfeuchter ist bei Kondensationsproblemen, schlecht belüfteten Räumen oder Zimmern, die weniger beheizt werden, effektiv. Mit einem Hygrometer messen Sie einfach die Luftfeuchtigkeit im Haus, sodass Sie gezielt Maßnahmen ergreifen können. Gutes Lüften und Heizen bleibt dabei essenziell. Mehr Hintergrund lesen Sie in unserem Ratgeber Alles über Feuchtigkeit im Haus.





